Das Leben ist wild!

Auf dem Urwaldsteig!

6 Kommentare

Nachdem ich es immer noch nicht geschafft habe, von meinem eindrucksvollen Weg über die Alpen zu schreiben, widme ich mich vielleicht den gerade vergangenen Wandertagen auf dem Urwaldsteig. Einfach als kleine Erinnerung für mich … :) Natürlich dürft ihr einfach mitlesen und wer weiss, vielleicht verschlägt es Euch ja auch mal hierher … von wo auch immer …

Vor ein paar Wochen habe ich mir ja ein paar neue Hanwags zugelegt. Dicke robuste Wanderstiefel, die wunderbar für alpines Terrain geeignet sind. Ich wollte sie etwas einlaufen, da kam der Urwaldsteig gerade recht. Übrigens auch immer gut für eine minimalistische Einkehr, denn ich habe währenddessen mit meiner Familie im Wohnwagen gelebt. Mehr Minimalismus gepaart mit Pragmatismus geht nicht mehr. Zumindest für das Pendant zu einer 3-Zimmer-Küche-Bad-Wohnung auf 15 m² …

Das letzte für einen Van mit Caravan hinten dran sehr steile Stück hin zum Campingplatz war allein schon Abenteuer genug. Wir hatten uns für einen kleinen Campingplatz direkt am Edersee am Rande des Nationalparks Kellerwald entschieden. Da waren wir wohl um diese Jahreszeit einer der wenigen … schon beim Runterfahren dachte ich, dass wir auf keinen Fall mehr den Weg zurück nach oben kommen mit unserem schweren Geschoss hinten dran. :’D Was wir vorfanden war eine sehr enge sächsische Anbindung ans Dauercamping im Petterson-und-Findus-Millieu gepaart mit einem wunderschönen Indian Summer. Kennt ihr Petterson? Nein … googlet mal. Hier ist zumindest das Wohnhaus desselben. Könnte man meinen …

Pettersons Hof am Edersee! Na sowas ...

Pettersons Hof am Edersee! Na sowas …

Wir haben uns bewusst nur fürs Wandern entschieden und einfach mal vorab gehofft, dass die Buben mitziehen. Mit 8 und 11 kann man da schon mal hoffen … zumal sie eigentlich ja gern im Wald sind. Zuhilfe kam uns da, dass wir unverhofft zu Pilzsammlern wurden. Das hat echt einen ziemlichen Abenteuercharakter für Jungs und der Sammeltrieb wird sofort reaktiviert. :)

Drei Wanderwege sind wir gegangen:

1. Kahle-Hardt-Route – Knorreichenstieg

Knorrige Eiche! :)

Knorrige Eiche! :)

 

Der Rundweg ist vom DKV Campingplatz aus ca. 10 km lang. Zuerst einmal muss man an Höhenmetern gewinnen, um dann relativ auf einer Höhe den kleinen aber wunderschönen Pfad begehen zu können. Und er macht seinem Namen alle Ehre. Überall um einen herum zeigt der lichte und in allen Rottönen schimmernde Laubwald kuriose und sehr knorrige Vertreter seiner Art. Während des ersten Teilstücks zur Halbinsel Scheid hinab hat man den Urwald linkerhand und rechts geht es gut 200 m steil bergab zum Edersee. Wir hatten das Glück, dass es zudem die Sonnenseite war und wir den ganzen Tag von Helligkeit und Wärme verwöhnt wurden. Alles in allem eine leichte Runde. Irgendwie gab es immer einen Baum für die Buben zum Klettern und ausreichend Proviant hatten wir auch dabei. Nein – es sind nicht nur Mädchen, die fortwährend „Hunger, Pipi, kalt“ rufen … ;) Fast am Ende der Runde dann stolperten wir unerwartet über zwei Pilze. Wow! Einen Maronenröhrling und einen Steinpilz, wie wir im Nachhinein feststellten. Und da wir immer ein Taschenmesser dabei haben, haben wir sie gleich mitgenommen und waren von diesem Moment an angefixt.

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Hier leben bestimmt Feen …

2. Katzenstein-Route

Im Bärental!

Im Bärental!

Sehr schöne ca. 8 km lange Runde  von Waldeck aus startend. Zumindest war sie so lang für uns, da wir als alte Geocacher noch einen „kleinen“ Abstecher tief hinein ins Bärental gemacht haben, um einen kleine Dose zu heben. ;) Jede dieser Runden hat ihre markanten Punkte und Geschichten. Die eine etwas schöner, die andere nicht. Diese zum Beispiel führte uns an einen Ort, der an eine in Schinderhannesmanier ausgeführte Räuberei (nicht schön) erinnerte, die einen sehr dunklen Anstrich durch die SS bekam, welche 1942 ihre Willkür an einem Platz im Wald demonstrierte und aus Machtbewusstsein heraus sechs Polen einfach so erhängte. Da geht es einem nicht wirklich gut … doch der Weg durch den Wald nimmt einem schnell die schlechten Gedanken. Ebenso wie die wild wachsenden Pflaumen – von denen wir bestimmt zwei Kilo gepflückt hatten (man trägt ja an sonst nichts …)

Dieser Rundweg war vor allem eins: abwechslungsreich. Während der gestrige Weg durch den Wald geradewegs durchplätscherte, ging es hier rauf und runter. Ziemlich runter … und ziemlich rauf … und irgendwie verloren wir ab und an das Wegzeichen aus den Augen. Aber Garmin sei dank … irgendwann kommt man immer auf den rechten Weg.

Während wir gestern noch klitzekleine Pilze gefunden haben, so war dies ein Mekka für Pilzsammler. Meine Hand passte manchmal nicht auf den Schirm. Echt wahr … allerdings waren die Biester so verwurmt, dass sie einfach nicht mehr zu gebrauchen waren. Schade, sehr schade … aber dennoch gab es eine kleine Ausbeute, die abends mit Bandnudeln (wink zu CL, aber nicht selbstgemacht) und Hühnchen einfach lecker schmeckten. Ich muss immer noch lächeln, dass es möglich ist, im tiefsten Urwald per Smartphone quer durch die Republik Nachrichten zu schicken und sich über Pilze und Strickwarenrauswurf zu unterhalten und per Bild zu reporten! :’D

Wir haben das Bärental gestreift und an der Ratzeburg (nix übrig von) ein Pflaumenkernweitspucken gemacht und die Königin (naaa gut – oder den König) der Ratzeburg zu ermitteln.

Wer wird die Ratzeburg halten? Oder wird sie dem kleinen König Weitspucker in die Hände fallen???

Wer wird die Ratzeburg halten? Oder wird sie dem kleinen König Weitspucker in die Hände fallen???

Zu guter Letzt konnten wir die Runde mit einer Seilbahnfahrt als letzte Mitreisende 5 Minuten nach Schluss quasi beenden. Es sind die kleinen Dinge im Leben, die so unendlich glücklich machen … wie hier eben nicht mehr die 1,5 km rauf nach Waldeck zu kraxeln. Und mit rauf – meine ich rauf!!!

Tolle Runde also!!! :D

Abschließend … nur wegen der Pilze …

3. Hochstein – Route

Die längste gegangene Route. 10 km ca. Vielleicht ein bißchen mehr …

Fliegenpilze wohin auch das Auge blicket ...

Fliegenpilze wohin auch das Auge blicket …ab und an mal den Wegpunkt verloren. 

Von Herzhausen folgt man  der Hauptroute des Urwaldsteigs überwiegend am Edersee entlang. Abschnittsweise verläuft sie durch knorrige Wälder, die immer wieder einen Blick auf den Edersee ermöglichen. Vor der Kehre um ein Bachtal geht es links zum Hochstein. Und irgendwie gelangt man dort zu einer alten Ruine, die komplett vom Wald verschluckt wurde … der Ehrenburg!

Faszinierend; denn schon wieder zeigt sich uns der Wald von einer neuen Seite.

Von relativ breiten Wegen, die dennoch recht duster sind über kleine Pfade, die eher an Wildwechsel erinnern bis hin zu einem lichten Auf und Ab über einen gelben Laubteppich.

Und überall Pilze. Hammer!!! :’D Ich bin echt angefixt. Kleiner Exkurs – heute im Supermarkt gab es Steinpilze. 50 g – getrocknet – 4.99! O_o Unfassbar.

Maronenröhrlinge! *yammi*

Maronenröhrlinge! *yammi*

Wunderschön war unsere Pause an der zugedeckten Ehrenburg. :)

Hier lass Dich nieder ...

Hier lass Dich nieder …

Inklusive kleinem Besucher, der für die Jahreszeit noch recht fit schien. Mal eben schnell die letzten Sonnenstrahlen ausnutzen.

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Alles in allem ging die Zeit recht fix rum. Da wir wettertechnisch wirklich Glück hatten und es nur nachts geregnet hat, war es eine wirklich schöne, wenn auch kurze Zeit am Edersee. Waschbär und Eidechse sagen sich hier „Gute Nacht“ und man muss nicht wirklich jemandem begegnen auf den einsamen Pfaden in einem der letzten Urwalde Europas. Man kann sich einfach berieseln lassen von der Schönheit der lichten Wälder. Ich schwärme, ich weiss. Und es ist eine ganz andere Welt, als die Alpen im Sommer. Aber auf jeden Fall eine schöne … :)

Ade ... Urwaldsteig! :)

Ade … Urwaldsteig! :)

 

 

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Autor: trix

Wissenwollerin. Storyteller. Und meist eine etwas ver-rückte Sicht auf die Dinge - vor allem die kleinen am Wegesrand. :)

6 Kommentare zu “Auf dem Urwaldsteig!

  1. Also ich bin seit wochen kauch total wild auf waldpilze. Vor einigen tagen sind mein schatz u ich mal wieder in meinen lieblingswald gegangen und haben einen riesen korb und einen mittleren voll gesammelt. Haben alles im autoKofferraum geschüttet sind nochmal soviel sammeln gegangen. Bis um elf in der nacht haben wir diese geputzt, geschnitten u angebraten.zum einfrieren. Ich war knülle kann ich dir sagen. Hab inzwischen schon welche gegessen…miam. und heut war ich auch wieder da. Mit dem riesen korb. Und… kaum noch was da. Ein drittel vom korb grad mal gefüllt. Die pilzzeit ist so schnell vorbei. :( aber zum glück habe ich noch einiges eingefroren. ;) ich stolpere meist auch mit handy durchn wald. Und es geht auch meist um pilze und stricken. Hahaha! Musste feixen als ich das laß. Und einen tollen erfolg hast du ja mit deinen schritten. Super! :D LG kathi

  2. Tolle Fotos, ein schöner Bericht und ein wunderbarer Urlaub :-) So haben wir alle was davon! LG Carola
    P.S. Ich bin gar nicht zum Pilzesuchen gekommen in diesem Jahr – schnief!

  3. CL winkt zurück!
    Wirklich schön… vielleicht gehe ich auch noch mal wandern und nicht nur Pilze suchen. Das Interesse ist jedenfalls geweckt!

  4. Wow, toll! Und da seid Ihr ja echt fleißig gewandert! LG, H.

  5. Fleissig…ich liebe Pilze suchen, leider dieses Jahr nicht geschafft :-(, aber dafür habe ich heute meinem Patenkind ein Petterson und Findus -Buch geschenkt…“wie Findus zu Petterson kam“. Ich habe sie alle bzw Sohn hat sie von uns geschenkt bekommen . Und die behalte ich !! Das Haus könnte wirklich das von Petterson sein.

  6. WOW, was für ein schöner Urlaubsbericht. Tolle Fotos, leckere Pilze…LG Claudi

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