Das Leben ist wild!

Wurzeln!

12 Kommentare

Heute komme ich endlich mal in Ruhe zum Lesen all der Kommentare …

Ja – Pandoras Box. So etwas hat vermutlich jeder und ich glaube, unabhängig vom Geschlecht, umschleicht man sie mehr oder weniger intensiv. Man kann sie ignorieren – aber ich schätze mal ganz trocken, dass man über kurz oder lang versucht ist, sie zu öffnen.

Schick in Strick ...

Schick in Strick …

Um der Sache auf den tiefen Grund zu gehen, muss ich mal wieder in meine Kindheit wandern. Man muss wissen, ich bin ein Landmädchen. Aufgewachsen im tiefsten Taunus, in einem kleinen Dorf mit knapp 1200 Einwohnern. Damals wahrscheinlich noch weniger – aber in meiner Kindheit entstand das Neubaugebiet. Das ist es heute sicherlich immer noch, auch wenn die Besiedlung des Dorfteils vor zwanzig oder noch mehr Jahren abgeschlossen wurde. :’D

Groß geworden bin ich in einem wirklich alten Haus (400 Jahre alt) im Dorfkern. Aber nicht, dass das in den 70ern irgendwo im Taunus geschätzt wurde. Nee. Fachwerk gibt es eindeutig nicht dort. Alles wird akkurat verputzt. Und alter „Ramsch“ aus Familienbesitz wurde mit der Neudeckung des alten Daches komplett über die Wupper gegeben (heulen könnt ich … welche Schätze da wohl auf dem Dachboden schlummerten). Es wurde nichts oder kaum etwas bewahrt. Da waren meine Eltern leider schon immer sehr pragmatisch. Das häusliche Innenleben war aufgeräumt. Anders kann ich es nicht sagen. Wir Kinder haben draussen gespielt – im Sandkasten der Baustelle, mit Holzklötzen und diversen Teilen der Baustelle als Kaufladen, auf de‘ Gass‘ und im Wald.

Vor der Sanierung. Der alte Teil des Hauses.

Vor der Sanierung. Der alte Teil des Hauses.

Mein Spielsachenfundus, soweit ich mich sehr genau erinnere:

  • 2 Playmobilpferde (mit Männlein)
  • 1 kleines Plastikbauernhaus (so wie bei *Heidi*)
  • ein paar Spielzeugautos
  • eine Barbie und unverhofft eine Barbieküche. Und ein paar Klamöttchen für sie. Der Rest wurde gebastelt. Aktenkoffer aus Streichholzschachtel. Plattenhüllen aus Pappe etc. etc.
  • Rollschuhe
  • einen Kuscheltierhund in gelb/schwarz und einen kleinen weissen Panda.
  • einen Schlitten
  • ein Fahrrad (Klapprad – mitwachsend – heute wahrscheinlich kultig, damals echt bescheuert)

Ich glaube, das war es im Großen und Ganzen. Durch die Konfirmation hatte ich das Geld für eine Sanyo-Stereoanlage bestehend aus Bausteinen (revolutionär – alle anderen hatten Schneider-Kompaktanlagen) zusammen. Die gibt es heute noch – ebenso wie eine Menge Platten. Naja – und was braucht ein Teenager mehr.

Fernsehen gab es irgendwie recht viel. Ich schätze, ich war wie so viele Kinder der 70er ein Kind, das mit *Nils Holgerson*, *Heidi* aber auch *Dalli Dalli*, *Der große Preis* und *Disco* aufgewachsen ist.

Eins meiner Hobbys war lesen. Wir hatten eine Bücherei im Dorf – das heisst, meine Bücher waren ausgelagert. 10 Pfennige pro Buch – ca. zehn pro Woche. Das zweite kindheitsbegleitende Hobby war das Reiten. Allerdings lag der Reitstall im nächsten Dorf. Ich kann mich noch an den Weg mit dem Fahrrad dorthin über die Felder und durch den Wald erinnern. Im Winter auch gerne mal zu Fuß. Über die Feldwege liess es sich so schlecht radeln … und ja – wir hatten deftig-heftige Winter.

Achja – ich hatte einen Füller. Pelikan. Blau. Silberne Kappe. Und fand damals schon bei all diesen Dingen – aber bei diesem Füller am allermeisten, dass es ungerecht ist für die Verdoppelungen, da man sie nicht nutzen kann. Und das finde ich heute noch. Mein zweiter Füller kam irgendwann in der 7. Klasse dazu … ein schwarzer Lamy. Tja – und heute schreibe ich am liebsten mit meinem Mont Blanc. Man entwickelt sich weiter. :’D Ist aber auch ein Liebhaberstück. Egal. Ich schweife ab.

Die Kleidung, die wir so auf dem Dorf trugen, war praktisch und gut. Aber es kam halt echt wenig dazu. Wenn man den Supermarkt im nächsten Städtchen hat und dieses recht klein ist, hat man ein Bekleidungsgeschäft, in das man gehen kann. Und einen Schuhladen. Boah – was war das für ein Kulturschock, als wir das erste Mal alleine ohne Eltern mit dem Bus in einer einstündigen Fahrt (und nein – der Bus hielt nicht an jeder Milchkanne) nach Wiesbaden gefahren sind. Geld in der Tasche und dann vor lauter Schauen und Staunen doch nichts kaufen. Oder zumindest wurde alles sehr genau ausgewählt.

Ja- und heute? Heute lebe ich mitten im Rhein-Main-Gebiet. Frankfurt, Wiesbaden, Mainz. Dazu verschiedene Einkaufszentren – alle in greifbarer Nähe. Supermärkte im Ort: fünf.

Noch Fragen – Hauser?

Ginge ich meiner innersten Neigung nach, würde ich gut in einem Bauwagen leben. Ich fand das schon immer eine klasse Idee und hätte sehr, sehr gerne mit Peter Lustig getauscht. An die Inhalte der Serie kann ich mich dagegen gar nicht mehr erinnern. Aber an das hochziehbare Bett … Deshalb geniesse ich den Wohnwagen so. Klein. Überschaubar und … keine unnötigen Verdoppelungen.

Denn wo liegen sie begraben? Hinter den Türen und in den Schubladen. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wieviele Kugelschreiber es hier im Haus gibt. Aber schlußendlich nutzen kann ich doch eh nur einen.

Und ja – der Gedanke, dass das Entrümpeln und Ausmisten letztenendes eine Art ist, Entscheidungen zu treffen, erscheint mir schlüssig. Denn das ist etwas, was schon von jeher lange reifen muss bei mir. Und deshalb habe ich so oft gesagt „ich bewahr es erstmal auf“ und „man weiss ja nie“. Bei der „Verantwortung“, die sich zudem auf die Besitztümer einer Familie überträgt, überlegt man tatsächlich zweimal. Denn – manchmal hängt das Herz des anderen daran. Das sollte bedacht werden.

Es ist notwendig, ab und an mal einen Blick hineinzuwerfen in Pandoras Box und herauszufinden, was man dort alles herausholen und sich davon verabschieden kann. Oder an was das Herz wirklich, wirklich mit allen Fasern hängt.

Ich denke, der minimalistische Gedanke umfasst für mich nicht, karg zu leben. Ich bin ein Genussmensch. Aber er umfasst für mich, mit von unnötigen Dingen zu trennen. Denn sie beschweren mich. Und wenn sie könnten, würden sie sich höchstwahrscheinlich selbst beschweren: nämlich darüber, dass sie eh nur ungenutzt herumliegen. ;)

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Autor: trix

Wissenwollerin. Storyteller. Und meist eine etwas ver-rückte Sicht auf die Dinge - vor allem die kleinen am Wegesrand. :)

12 Kommentare zu “Wurzeln!

  1. ich vermiss dich und deine schönen erzählungen, man hört aus diesem bericht – du hattest trotz all dem was du nicht hattest eine schöne kindheit!

    • Ja. Die hatte ich. :)

      Ach Liebes … ich weiss das. Wir hatten eine schöne Zeit da und ich hab soviel in den alten Blog gesteckt. Doch ich musste mich lösen. Weitergehen.

      Ich nehm Dich so gerne mit! :)))

  2. Sehr schön geschrieben. Und so wahr. Ich erkenne vieles wieder – auch wenn ich noch nicht die Energie aufbringe, so intensiv aufzuräumen.
    LG
    Kerstin

  3. ich freu mich, dich jetzt ganz einfach im reader zu finden und betrachte mich als ausgesprochenen trixblog fan! so isses, hase! :)

  4. Klingt komisch, ist aber so. Fällt mir als erstes ein, wo ich Peter Lustig lese ;-) Ich glaube, die Dinge oder Gegenstände, mit denen man Erinnerungen verbindet, sind die, die immer in unserer Box lagern werden. Und das ist auch gut so. Gelegentlich nimmt man sie heraus und erinnert sich, verdrückt vielleicht eine Träne. Aber das macht uns aus. Entrümpeln heißt auch immer einen Teil seiner eigenen Seele, seines eigenen Lebens zu entrümpeln. Und das ist nicht immer leicht. (Ich meine jetzt nicht die zehn Kugelschreiber, die sowieso nicht mehr schreiben und ein Werbegeschenk waren ;-) LG, H.

  5. Toll geschrieben, Meine Erinnerungen sind ähnlich wie Deine….Schöööön! Danke LG Claudi

  6. Wie toll geschrieben Trix!
    Ich muss diese Idee einfach klauen, weil auch bei mir gerade Ausmisten und vor allem Platz schaffen Priorität 1 sind. Ursachenforschung ist immer wichtig für das Große und Ganze!

  7. Danke , trix…das isset einfach, es gibt viele Parallelen zwischen uns , angefangen von 804 Nasen-Dorf- bei mir im bayerischen Wald…ich sag eindfach mal nur „DANKE“ für diesen schönen blog! LG K

  8. Danke für diesen Beitrag.
    Ich nehme mir das auch immer vor. Ausmisten. Es würde mich erleichtern. Eigentlich sollte ich direkt heute damit anfangen. Denn im kommenden Jahr werde ich weiter ziehen. Weg von hier, weg aus Hessen. Back to the roots. Und ich würde gerne leichter werden. Nicht nur ich selber, auch all das was an mir dran hängt ist mir zu schwer.

    Auf die Mülltonnen kommen schwere Zeiten zu.
    Nöööö, auch mich natürlich nicht. Garnicht. Ich bin ja nur die Frau Eichhörnchen, die jahrelang alles zu Bau geschleppt hat und ihre Schätze seitdem hütet.

    Aber ich arbeite dran. An der leichten Einstellung.
    Danke dir.

    • Oh – neue Pläne im Hause Chinomso. Der Umzug ist ein guter Aufhänger für das Leichterwerden. Zumindest erst mal bei dem, was sich an Materiellem so ansammelt. Was das Gewicht geht, bin ich ganz bei Dir. Ich häng grad arg durch. Aber wir lassen uns nicht kleinkriegen, ja!!! Wir schaffen das. :) lg

  9. Und an alle anderen: ihr wisst doch: ich schreib so gern für Euch und Euch aus der Seele! :*

  10. …und schon hast Du die Frage beantwortet – Taunus ist ja nicht ganz Schweizer Ecke :-)! Aber da du gern Raclette Schweizer Art isst, hast Du sicher eine gewisse Sympathie zu unserem Ländlein. Ein schöner Text, in dem ich mich auch wiedergefunden habe (schon nur wegen der schönen Fernsehsendungen…;-) ). Lg Claudia

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