Das Leben ist wild!

Ausnahmezustand!

13 Kommentare

Heute morgen … der bewusste Gang ins Bad. Mit kleinen Äuglein. Winzigen …

Oh Gott – da hat eine Bombe eingeschlagen! Das ist mir in den letzten sechs Tagen ehrlich gesagt egal gewesen, aber jetzt bin ich ja wieder im Alltag gelandet. Geh ich jetzt schon durchs Haus oder bleib ich noch im Bett? Ich koch mir erst mal einen Kaffee … :) Danach kann der Tag immer noch kommen.

Während des vergangenen Wochenendes bin ich eingetaucht in die Welt der Schausteller, Beschicker und Gastronome. Vor über dreissig Jahren haben sich die Eltern meines Mannes mit Freunden zusammen getan und verkaufen Grünkohl auf unserem Herbstmarkt. Inzwischen haben die jungen Leute quasi das Ruder übernommen und ich bin zuständig für die Logistik und die Finanzen … und für viel anderen Killefitz. Bei mir laufen die Fäden zusammen. (Manchmal denke ich, den Leuten fällt gar nicht auf, wie verpeilt ich eigentlich bin – aber unter Druck konnte ich schon immer wunderbar arbeiten.) Da bleibt in diesen Tagen ALLES andere auf der Strecke. Dienstag abend kannste mich dann quasi beerdigen – so fertig bin ich.

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Das (oder der?) neue Banner!!! Wir gehen mit der Zeit. Werbung ist alles. ;)

Aber es ist eine eigene in sich gut funktionierende und faszinierende Welt. Die Schausteller und auch die Beschicker leben irgendwie mit einem Kodex, den man wahrscheinlich als Aussenstehende gar nicht richtig verstehen kann. Erst mal das Zusammenhalten: man hilft sich. Man erkennt sich auch. Und man hat das gleiche Verständnis von der Welt. „Reichtum“ spiegelt sich im Wohnwagen wider. Es muss ein ganz besonderes Modell sein. Da stehen Hütten auf Rädern rum. Himmel hilf. Existenzen kommen und gehen. Aber es bleiben ein paar ganz alte Hasen. Zum Beispiel der „Hut-Schorsch“ mit seiner Familie. Jedes Jahr kommt er vorbei und wir auch bei ihm. Da wird alles erst einmal auf den neuesten Stand gebracht. In diesem Jahr ist es ein trauriger Anlass … seine Frau ist verstorben. Aber hier ist er in der Familie … der Marktfamilie. Ich glaube, er ist 85 Jahre alt und ich hoffe, er kommt noch lange.

Und Daniel und Ingrid – die Socken verkaufen. Nur gute Ware. „Weisst Du, trix. Es muss ordentlich aussehen.“ Ist es auch, finde ich. Aber er ist kritisch: „Wir standen auf dem letzten Markt unter einem Baum, der hat so viele Blätter abgeworfen – hier schau mal. Das muss alles weg.“ Er zeigt mir fisselskleine Blättchen, die ich mit bloßem Auge kaum erkenne. O_o. „Die Kunden sehen das nicht, aber ich. Für mich selbst muss es sauber sein.“ Ach – und geheiratet haben die beiden im vergangenen Januar. In Las Vegas. In dieser einen berühmten weissen Kirche. Berichtet er stolz.

Und die ganz armen Socken. Die Schaffer, Arbeiter, Handlanger, die sich wirklich freuen über einen heissen Glühwein am Abend, wenn sie den Tag in lausiger Kälte verbracht haben. Oder ein Leberkäs – Brötchen, um mal schnell was Warmes in den Bauch zu kriegen. Abgerissen sehen sie schon mal aus. Ölverschmierte und runzlige von der Kälte aufgerissene Hände … naja – ihr könnt es Euch vorstellen. Arme Kerle.

Die Kunden, die bei uns Grünkohl kaufen, sind ebenfalls speziell. Jahrelange Stammkundschaft. Eine meiner Schichten ist z.B. die Montagmorgenschicht. Immer diesselben Gesichter. „Ich komme immer montags – und nur für Euren  Grünkohl.“ „Wie lange macht ihr das schon? Dreissig Jahre? Meine Güte, ich werde alt mit Euch“ … da sagt eine leise Stimme nebendran: „Ich auch!“ :) Aber es ist nicht immer einfach. „Warum hat die Frau da drüben mehr auf dem Teller?“ ist nur eine Frage von vielen, die nicht soooo toll ist. Und ich finde, wer unsere Portionen isst, hat schon einen gesegneten Appetit. Die sind alles andere als klein. Aber egal – ich bleibe freundlich. Dann kriegt sie eben den Teller voller als voll. Oder diejenigen, die genau den Eichstrich auf dem Glas im Blick haben (keine Angst, wir schenken perse immer etwas mehr ein) zusammen mit dem Spruch: „Der Wein bei Euch ist ganz schön teuer!“ Öhm … sie darf gerne zum Winzer nebenan gehen. Da relativiert sich der Preis.

Fazit: man muss trinkfest, ausdauernd und alles andere als zimperlich sein. Freundlich und offen für alles, was da kommt. Man sollte zuhören können und auch mal alle fünfe grade sein lassen. Ich mach das gern. :) Da vergesse ich schon mal, wie es zuhause aussieht. Ehrlich gesagt, habe ich auch gar keine Zeit dazu. Das kommt ab heute wieder. Ausnahmezustand beendet.

Ich betrachte gerade die neuen Stulpen, die mir eine Standverkäuferin geschenkt hat, weil sie immer Wasser bei uns holen durfte und weil wir so furchtbar nett sind. Und weil wir ein paar Abende an unserem Stand mit mitgebrachtem Rotwein (den es eigentlich nicht gibt bei uns) und vielen Geschichten verbracht haben.  Schade, dass die Tage so schnell verflogen sind und ich freu mich heute schon aufs nächste Mal!!!

Das Kleingedruckte: der Wochenrückblick fiel jetzt aus, aber das ist eben manchmal im Leben so. Es ist nicht gleichförmig und in ein Schema pressbar. :) In diesem Sinne … feudel ich mich jetzt mal durchs Haus. Horidoooo …

Das Kleingedruckte Teil 2: ich glaub, ich muss eine Liste machen, sonst werd ich nicht Herr über das Chaos. :’D

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Autor: trix

Wissenwollerin. Storyteller. Und meist eine etwas ver-rückte Sicht auf die Dinge - vor allem die kleinen am Wegesrand. :)

13 Kommentare zu “Ausnahmezustand!

  1. Hut ab, liebe Trix! Für mich wäre sowas definitiv nichts! Allerdings weiß ich in etwa, was Du meinst. Bei uns auf der alljährlichen Kirmes trifft man auch meist die gleichen „Pappenheimer“, die jedes Jahr mit ihrem Stand an derselben Stelle stehen. Da hält man einen kleinen Plausch über Gott und die Welt und wie’s so läuft im Leben. Manchmal tun sie mir leid, weil sie ein schweres Leben haben. Aber die meisten scheinen glücklich zu sein. Dir viel Erfolg bei der Beseitigung des Chaos ;-) LG, H.

  2. Wie spannend! Man entdeckt ja immer neue Seiten an Dir :-)

  3. Wie geil! Irgendwas hatte Sandy mal erwähnt… aber dass Du die Strippenzieherin vom Grünkohlstand bist… whow Trix!!! Chapeau!
    Ich habe Grünkohl noch nie nich gegessen übrigens… Ihr kommt nicht durch Zufall mal in die Nähe Berlins???
    Vergiss die Unordnung daheim. Und danke für diese tollen Zeilen. Grünkohlstrippe :-)

  4. Das klingt spannend und abwechslungsreich. Würde mir auch Spaß machen, glaube ich. Obwohl ich noch nie Grünkohl gegessen habe und daher gar nicht weiß, ob das was für mich ist. Aber das Drumherum definitiv!! Da kann man daheim auch mal Fünfe gerade sein lassen. Das mach ich auch ohne Grünkohl-Stand ;-)
    LG Kerstin

  5. Ich mag keinen Grünkohl, dafür isst mein Männe meine Portion für mich mit. Aber tolle Tage waren es trotzdem, nachdem was Du so erzählst (schreibst)…LG Claudi

  6. Ich lebe da das Kaufladensyndrom aus und kann echt alles verkaufen. Es macht irre Spass … aber ich weiss auch, dass es kein Zuckerschlecken ist, wenn man das hauptberuflich machen muss …

  7. ich liiiebe Grünkohl…muss ich wohl mal für ein Mahl einen langen Ausflug nach Trixtown machen :-)

  8. Interessanter Beitrag. Danke dafür.

  9. Yes, we can! nach trixtown..auffi ins Grünkohlgefecht, next year.. oder so !

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