Das Leben ist wild!


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Putzmittelflut!

Ein weiterer Schritt in Richtung bewussteres Leben, bewussterer Umgang mit meiner Umwelt war meine Mai-Challenge. Anfang des Monats habe ich alle möglichen (und unmöglichen) Putzmittel im Hause trix hervorgekramt und bin bald aus den Latschen gekippt, für was man alles einen speziellen Reiniger  „braucht“.

Ihr könnt Euch vorstellen, wenn man wissen will, wie es anders gehen könnte, muss man es auch wirklich ausprobieren. Ja – ich habe überdurchschnittlich viel geputzt. Normalerweise gehöre ich nicht zur dauerputzlappenschwingenden Fraktion, sondern tue dies nur äußerst ungern. Notwendiges Übel und so …

Aber nun zur Auswertung.

Nein! Man braucht nicht wirklich viel.

Küche!

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Dort habe ich zwei Wochen lang, denn ich mag wegwerfen nicht sonderlich, den Fettlöser aufgebraucht. Sogar mit in den Urlaub hab ich ihn genommen. Konsequent genutzt verbraucht man eine halbe Flasche (die bis dato rumdümpelte) in zwei Wochen und kann sich ohne weiteres hochrechnen, was da an Plastikmüll und Umweltschlonz anfällt.

Das Spülmittel habe ich a) durch ein ökologisch abbaubares ersetzt, b) dieses dann auch noch verdünnt und c) in einem 5l Kanister zum Umfüllen gekauft. Von den beiden Ceranfeldreinigern habe ich einen verschenkt an einen Freund, der gerade umgezogen ist.

Was ist also notwendig? Im Alltag fast nur das Spülmittel. Damit lassen sich alle Flächen reinigen. Was will man mehr? Das Zubehör für die Spülmaschine ist auch noch notwendig, lässt sich aber prima von Plastikeinzelverpackung auf Großpackung umstellen. Ich denke, wenn man eine Spülmaschine nutzt, dann sollte man sie auch pflegen, sonst ist es schnell vorbei mit der Langlebigkeit von Gläsern und Co. Mal abgesehen von der Spülmaschine selbst.

Bad!

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Alle drei braucht es nicht wirklich. Tatsache. Im Moment verbrauche ich noch die Reste, habe aber schon weiter experimentiert. Wir haben im Bad sehr wenig Plastik. Unsere Dusche hat einfache Glaswände, das war mir beim Einbau wichtig. Weiss man aber auch erst, wie gut das ist, wenn man in einer Gegend wohnt, die den höchsten Wasserhärtegrad weit und breit hat. Nach dem Duschen einfach gleich mit einem Abzieher drangehen und mit einem Tuch trockenwischen. Es bleiben keine Rückstände. Dusch- und Badewanne, Waschbecken und auch die Toilette – lässt sich einwandfrei mit verdünnter Essigessenz reinigen (die es auch noch in der Glasflasche gibt, *froi*).

Böden!

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Den Allzweckreiniger habe ich verschenkt, der Glasreiniger wird gerade aufgebraucht. Beides muss man nicht nachkaufen, habe ich festgestellt. Auch hier tut es die Essigessenz in Kombi mit dem Spülmittel prima. :) Wahlweise nehme ich inzwischen auch Waschsoda!

Heisst jetzt:

Essigessenz verdünnt ist ein reines Wundermittel. Unser Laminat hatte immer Schlieren. Das war zum Fürchten. Viel hilft nicht immer viel. Ich nutze im Wechsel Essigessenz und Waschsoda. Nach gefühlten 10 Mal putzen ist der Schlonz runter und der Boden sieht beneidenswert gut aus. Waschsoda als auch Essigessenz gibt es in umweltfreundlicher Verpackung in der Drogerie.

Waschsoda ist zudem noch ein Alleskönner. Wenn denn mal Rückstände im Topf bleiben (angebraten oder diese fisseligen Nudelstreifen) einfach ein wenig in Wasser aufkochen. Ich war begeistert. Man kann es auch als Bleichmittel in die Weisswäsche geben, die Toilette entkalken, Holzbrettchen wieder aufrüschen und so weiter.

Spülmittel als Fettlöser in der Küche, auf dem Tisch … na ihr wisst schon. Ebenso als Fensterputzmittel mit einem Spritzer Essigessenz ins Wasser gegeben. :) Funktionert einwandfrei. Und dann würde ich schon fast sagen: that’s it.

Ich verbrauche nun alle überflüssigen Putzmittel oder verschenke sie. Es lohnt sich, ein wenig im Netz zu stöbern und nach alten Hausmitteln zu schauen, denn irgendwie hat man ja schon immer gereinigt. Es ist oft nicht mehr Aufwand, als all die bunten chemischen Keulen zu nutzen, aber weitaus besser für das Gleichgewicht unserer Umwelt.Weiter habe ich festgestellt – und jetzt lacht nicht – dass gute Putzlappen echt weiterhelfen. Sie sind Gold wert. Meinem Mann sei dank, der auf Märkten schon mal ganz gerne bei diesen haushaltswarenanbietenden Ständen hängenbleibt, gibt es in unserem Haushalt solche Koi-Mikrofaser-Tücher. Hammer! Einfach der Hammer! :D (Neeeeiiiin – ich mache keine Werbung!!!)

Fazit: eine sehr lehrreiche Challenge.

Ich bleibe dran.


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Plastik vs. Holz … Rouuund 1!

Neues aus der plastikfreien Zone!

Ich schätze, jedes Material hat so seine schwarzen Schafe. Sehr skeptisch bin ich immer bei Holzwäscheklammern und bei Spülbürsten.

Das mit den Holzwäscheklammern bedarf eines erneuten Versuches und unten in der Waschküche liegen schon die neuen kleinen Bambusklämmerchen. Schauen wir mal.

Und das Thema „Spülbürsten“ habe ich in den vergangenen Jahren verdrängt. Die Spülbürste, die wir hatten, war von Ikea und hielt, bis sie dem Plastikmanagement von Frau trix zum Opfer fiel, lange Jahre. Ich hab sie immer mal mit in die Spülmaschine gesteckt, was sie dankbarerweise unbeschadet wieder und wieder überlebte.

Aber nicht ohne Grund hatten wir genau diese Bürste. Und kurz blitzte dieser Gedanke auch auf, als ich zum alternativen Holzwerkzeug griff. Kurz. Dann war ich wieder abgelenkt und die Bürste lag im Einkaufswagen. So schnell geht das.

Wisst ihr, ich mag funktionale Dinge. Einfach. Praktisch. Gut. Man erledigt die Dinge nur so gut, wie auch das Handwerkszeug ist. Ein stumpfes Messer kann alles zur Qual werden lassen. Egal ob man jetzt schnitzt oder Gemüse schnippelt.

Dazu muss man sagen: ich bin fies vor Spülzeux. Okay – ich habe eine absolute Aversie gegen Spüllappen. Niemals werde ich Menschen verstehen, die ohne Furcht einen patschnassen eiskalten Lappen aus dem Spülbecken angeln können und ihn dann auch noch *schauerüberdenrückenriesel* ausdrücken können. Bäh. Bäh. Bäh!!! Und was auch nicht geht, sind diese fisselsweichen oder mikrofleecigen Teilchen, die, wenn sie trocken sind entweder an der Haut schubbern oder wenn sie nass sind, wie nasses Tierfell an einem kleben. *aaaahhhh* … ich schweife ab!!! Ganz schlecht!

Deshalb sind Spülbürsten ein wichtiges Tool in meinem Haushalt. Langlebige wohlgemerkt. Aber die Holzbürste war ein Reinfall.

Nach einer Woche zeichnete sich ab, dass die Borsten ein eigentümlich widerspenstiges Eigenleben führen und überall hin zeigen – nur nicht in die vorgegebene Richtung. Habt ihr mal versucht, damit einen Topf sauber zu kriegen? Habt ihr? Die Borsten quaddeln in alle vier Himmelsrichtungen und Du weisst genau … nur nicht dahin, wo sie hin sollen.

Lebensdauer dieser Holzbürste war also ca. 3 Wochen, weil ich mich immer wieder damit rumgequält habe. Vorsorglich habe ich schon ein zweites Modell gekauft, als abzusehen war, dass die aktuelle Bürste den Weg alles irdischen geht. Aber auch diese überzeugt mich nicht. Sie war zwar dreimal so teuer, aber sie liegt ganz ungünstig in der Hand und das Putzen wird zum Akt, denn ergonomisch ist was anderes. In jedweder Hinsicht. Fühlt sich eher wie ein schweres Mordinstrument an als ein Küchenuntensil. Nachts hätte ich damit keine Angst in dunklen Ecken … O_o

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Kurzum – damals habe ich eine zweite Bürste aus Kunststoff mitgenommen. Man weiss ja nie. Ich tausch jetzt wieder Holz gegen Plastik. Denn in diesem Bereich taugt es für mich nichts, sondern käst mich bei der fast täglichen Nutzung komplett an. Die Lebensdauer ist ein wichtiger Faktor finde ich. Ich möchte nicht immerzu austauschen und wegwerfen müssen. Selbst wenn das Material umweltfreundlich ist. Da entzieht sich mir der Sinn.

Gibt es auch in Eurem Haushalt ebenfalls Dinge, die ihr – als Plastiknichtmöger – trotzdem behaltet, obwohl es naturfreundliche Alternativen gibt?


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Intermezzo!

„Cere – a – lien“ sagte der Mann plötzlich neben mir, während ich ratlos ins Supermarktregal schaue auf der Suche nach dem richtigen Produkt. Heute morgen habe ich dann doch mal das Projekt „Wochenendeinkauf“ in Angriff genommen. Ich sehe ihn erstaunt an. „Können Sie mir sagen, was Cere-a-lien sind. Oder heisst es Cerea-lion mit französischem Einschlag? Was ist das nur für ein Wort?“ Ich schaue ihn an, wende mich ihm zu und antworte: „Haferflocken! Naja – sie können auch Frühstücksflocken sagen. All so was.“ „Aber – wo kommt das denn her?“

Die Frage, auf die ich warte, kommt gar nicht (wo sie sich befinden!). „Wissen Sie“, sagt der ältere Herr zu mir, „ich denke mal, Sie kennen sich aus. Ich kann so viele Sprachen. Französisch ist das nicht. Italienisch … ach das könnte sein. Aber nein. Englisch auch nicht. Da wo diese Mauer mit dem vielen … Graffiti … ist, da steht drauf … (ich hab das so verstanden:) ochi … ti amor per sempre …“

Meine Augen werden groß, denn wir entfernen uns um Meilen von den Frühstücksflocken. Ein leichtes Lächeln huscht über mein Gesicht und der Mann erklärt mir freundlich („Das hat jetzt aber nichts mit uns beiden zu tun, nicht dass Sie das denken … nein, es stand nur an der Wand mit dem … Graffiti.“), was die wirklich große Sprayaktion an dieser erstaunlichen Wand heissen soll.

Ich weiss inzwischen auch, dass er Latein schon früh abgegeben hat. Woraufhin ich ihm erkläre, dass ich die Sprachen, die er gerade so liebevoll aufzeigt wirklich nur rudimentär beherrsche. Es geht um italienisch, französisch und … ja doch … latein. Und so jongliert er mit dem graffitigesprayten Text und schwenkt mal ins italienische – aber viel lieber ins französische („ich bin ein bißchen frankophil“). Wort für Wort in jeder Sprache. Eine Kaskade an Ausdrücken umweht mich. Und erklärt mir am Ende:

Ich liebe Sie für immer!

Peng. Zwischen den Regalen im Supermarkt. Jetzt hab ich aber völlig vergessen, was ich hier wollte. Sowas. Diese zauberhaften Worte in den fremden Sprachen …

Wir schauen uns an. Lächeln. Ein erheiternder Augenblick in der Hektik des Alltags. Der alte Charmeur ist sicherlich gut dreissig Jahre älter als ich. „Wissen Sie. Ich dachte, Sie kennen sich vielleicht mit den Cere-a-lien aus.“ „Welche genau suchen Sie denn überhaupt? Im übrigen glaube ich, K.ellogs hat dieses Wort erfunden, ein alles überschwemmender Marketingstreich. Wir reden von Haferflocken. Oder Getreidefrühstücksflocken und all sowas. “ (das ist schon ein kurioses Gespräch)

„Ach. Eigentlich ist das gar nicht so wichtig. Es war einfach schön, sich mit Ihnen zu unterhalten“ …

„Das war es!“ :)

Ich muss immer noch lächeln, als ich schon längst an der Kasse bin! :D


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Selten. Sehr selten kommt er zum Vorschein, der Nachtfalke. Mein Alter Ego. Meine Schattenseite. Liegt gerade sicherlich am Rotwein.

Er ruht. Ich bin froh darum. Denn wenn der Nachtfalke erwacht, kommen meist sehr tiefschürfende, verletzliche und aufwühlende Gedanken. Nicht immer einfach. Nicht immer schön. Denken machend.

Ich bin dankbar, dass ich manches erleben durfte und ich bin froh, dass es vorbei ist. Die Zeit mag eine schlechte Kosmetikerin sein, aber dennoch heilt sie unsere Wunden. Sie sind schließlich ein sichtbares Zeichen dafür, dass wir leben. In vollen Zügen. Und seien wir ehrlich. Das ist wirklich wunderbar. :)

 

And I don’t want the world to see me
‚Cause I don’t think that they’d understand
When everything’s made to be broken
I just want you to know who I am

Das Leben ist wild.


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Soulfood!

Warum behandeln wir nicht jedes Lebensmittel so,

als wäre es etwas besonderes für uns?

Unser persönliches Soulfood!

Ab und an schaue ich ganz gerne Jamie Oliver. Also … nach reiflicher Überlegung und immer wieder Ausprobieren muss ich sagen: ich kann das nicht in 15 oder 30 Minuten kochen, was er mir vorschlägt!!! DAS FUNKTIONIERT SO NICHT!!! Ich nicht. Nein. Nicht ich. Das Chaos – unbeschreiblich. Das Essen – sehr lecker. Die Zeit – nicht einzuhalten.

Das aber nur mal so am Rande. Mir geht es vielmehr darum, wie er mit seinen Lebensmitteln, die er zu wahrscheinlich wahren Gaumenfreuden zubereitet, umgeht. Gestern zum Beispiel habe ich per Zufall mal wieder in eine seiner Sendungen reingeschaut. Er war in den Pyrinäen unterwegs. In alten Dörfern, auf Märkten, bei der Jagd. Ich glaube, die Zubereitung der Linsensuppe war ein Schlüsselerlebnis für mich. Bei mir sieht sie selten so aus. Überhaupt sehen meine Mahlzeiten selten so aus wie in einem 4-Sterne-Restaurant.  Salat ist Salat. Bei ihm ist das ein kleines natürliches Meisterwerk und ich möchte am liebsten sofort durch die (nicht mehr vorhandene) Röhre kriechen auf die andere Seite des Bildschirms mitten hinein ins Geschehen.

Es ist die Liebe zum Kochen und die Wertschätzung der Lebensmittel, die mich sehr angerührt hat. Ja – angerührt. Einfachste Zutaten finden ihren Weg zusammen und werden … Soulfood. Ich meine … Linsensuppe. Pfff. Aber sowas von lecker aussehend.

Warum kann ich das nicht? In der Regel ist es so, dass ich dem Zubereiten einer Mahlzeit 30 Minuten zugestehe (Ausnahmen gibt es … klar Braten oder so). Einfach, robust, kindertauglich. Kein Bohai. Mit Sicherheit spielt da auch rein, dass ich nicht zu den Menschen gehöre, die aus einem Essen die einzelnen Gewürze herausschmecken können. Ich spiele in der Kreisliga, was den Umgang mit Gewürzen anbelangt. Außerdem salze ich nur ungern zuviel. Mir bereiten Gewürze Unbehagen. Lieber mal vorsichtig damit. Nur nicht zuviel reinkippen.

Versteht mich nicht falsch, ich bin eine gute Köchin. Es schmeckt. Aber mir fehlt etwas. :( Die Sendung gestern war sehr nachhaltig. Es gibt so erschreckend viele Kochsendungen und nie hatte ich das Gefühl, mir fehlt hier was. Meist geht es drunter und drüber bei diesen Küchenschlachten, Kochduellen, Geschmacksbattles. Es sieht aus wie auf dem Truppenübungsplatz. Ja, oder? Ich kann dem nichts abgewinnen.

Warum jetzt das? Ich will ehrlich sein. Ich will das auch. Der Weg zum Markt ist ein erster Schritt in diese Richtung. Lebensmittel einfach mal anders wahrnehmen. Eine Erdbeere ist nicht nur Erdbeere. Sie ist Clery oder Alba oder was weiss ich. Und ebenso all die anderen Köstlichkeiten.

Wenn wir diese Lebensmittel mal mit offeneren Augen betrachten würden, würde es uns wahrscheinlich leichter fallen, den Genuss in unsere Küchen einzulassen. Dann bräuchten wir gar nicht mehr all diese Koch-Schlonz-Sendungen (mit sicherlich tollen Köchen auf ihren Gebieten).

Ich glaub, ich mache mich mal auf die Suche nach einem Kochkurs. Ob Jamie einen gibt?

In Sachen Achtsamkeit. Lebensmittelwahrnehmung. Liebe zum Einfachen. Genuss. Ja. Das möchte ich. :)

 

 

Man kann sich übrigens die Sendungen im Land der Wahl hier ansehen: „Jamie in …“


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Circle of life!

Das Leben ist wild. Manchmal sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Nur … sind wir uns dessen nicht immer bewusst.

Neulich am Frühstückstisch. Die Sonne scheint als gäbe es kein Morgen. Es ist Wochenende und alle sind entspannt. Kein Stress. Keine Unruhe. Die Terrassentür steht auf. Willkommen Leben.

*

Plötzlich hören wir ein Geräusch. Wie paralysiert halten wir im Kauen inne. Kurzes Aufrichten und erschrockenes Umblicken. Es fiept. In unserem Wohnzimmer. O_o

Mein Blick geht sofort rüber zum Kater, diesem stromlinienförmigen athletischen kleinen Jäger. Dieser sitzt hinter einem Papierkruschelberg und lauert. Und guckt – ebenfalls paralysiert, aber nur kurzzeitig – auf einen kleinen Knäuel am anderen Ende des Papierkruschelberges. „O Gott. Eine Meise.“ – denke ich hektisch. „Kinder, bleibt mal sitzen!“ sage ich ruhig. Genauso gut hätte ich „Auf die Plätze! Fertig! Los!“ rufen können. *Aaaaahhhhh*

Mein Mann hat das überaus zarte Vögelchen gleich hochgenommen. Beinchen angewinkelt und flach atmend lag es da auf der großen Hand. Er hat es rausgesetzt und es ist gleich losgeflogen …

Losgeflogen ist auch ein grauer Schatten. *wuuuuusch* – raus aus dem Haus und pfeilgerade und äußerst schnell und leise ab ins Gebüsch. Meinem großen Sohn entglitten die Gesichtszüge, als der (mistige) Kater mit dem (bedauernswerten) Meisenvogel wieder auf der Terrasse erscheint.

Stolz. Machohaft. Riesengroß. Gefährlich. Tödlich.

„Ich hab keinen Hunger mehr.“ sagt mein Kind und geht nach oben. Die Sonne scheint und dennoch überschatten Wolken das Geschehen.

„Soll ich sie retten?“ fragt mein Mann. „Dann musst Du sie umbringen.“ antworte ich. Ich bin da pragmatisch. Zum jetzigen Zeitpunkt ist Mitleid in Form von „leben lassen“ nicht mehr angebracht. Der Kater ist ein verflixt guter Jagdgeselle. Himmel auch.

Die Gemütswolken werden immer dicker und grauer während das kleine Vögelchen auf unserer Terrasse vom Kater beobachtet die letzten Atemzüge tut. :(

Irgendwie ist das Frühstück beendet. Keiner hat mehr so recht Appetit. Von Hunger ganz zu schweigen. Ich gehe auf die Terrasse und wickle den kleinen Kerl achtsam in ein wenig Zeitungspapier. Akkurat gefaltet, um ihn nicht zusätzlich zu verletzen … Einfach in die Tonne schmeissen finde ich äußerst erbärmlich. Der Wunsch, den kleinen Vogel auch jetzt noch zu schützen, ist groß.

Dann gehe ich zu meinem großen Sohn, der lauthals schluchzend im Bett liegt. Er weint und weint und weint … leise setze ich mich zu ihm aufs Bett und wir reden. Darüber, dass Mäuse fangen noch mal was anderes ist, aber dennoch nicht weniger grausam. Über den Unterschied vom darüber Hören und dem Miterleben unschöner Dinge. Über den Kater und über den Vogel. Darüber, dass das Leben einem Kreislauf unterliegt und jedes Lebewesen dort seinen Platz hat.

Wir reden also über das Leben und den Tod. Und ich wünsche mir sehr, dass sich mein Sohn diese Sensibilität gegenüber dem Sein in all seinen vielfältigen Darstellungsformen bewahrt. Gerne …

ein Leben lang.

Die Trauer bleibt mir nicht lang erhalten. Da ist ja noch ein zweiter Sohn. Ein wenig jünger und noch nicht angekommen in der Realität dieser ach so wilden Welt. „Mama. Machst Du ein Foto?“. „Von wem?“. „Na – von dem Kater und der Meise.“  … „Für was?“ (im Kopf blinkt laut das Logo der „B.ild“-Zeitung)

„Mach doch mal ein Foto und schick es dem Herrn S.“ (seinem Lehrer) „Öhm.“

„Dann können wir es uns in der Klasse auf dem Whiteboard anschauen.“ Zeit, für Mama, mal zu intervenieren. „Schatz. Das mache ich nicht. Der kleine Vogel ist außerdem schon längst beerdigt. Ich glaube nicht, dass das eine so gute Idee wäre.“

Jetzt stelle ich mich auf lange Diskussionen ein. Aber …

„Gut.“ sprach’s und geht von dannen. O_o

 

Das Leben ist wild. Irgendwie.


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Charity Shopping!

Eine Bekannte von mir engagiert sich sehr für die Organisation „Childaid Network„.

Aus diesem Grund erreichte mich vor einigen Wochen eine interessante Einladung zu einem Shoppingnachmittag in der Villa Clementine in Wiesbaden.

Ein wenig hin- und hergerissen war ich ja schon, kaufe ich doch schon seit einigen Monaten so gut wie gar nichts mehr aus purer Shoppinglust heraus. Aber dies hier war und ist ja für einen guten Zweck. Unterstützenswert finde ich. :)

Sandra hatte zu diesem Zweck nun schon das dritte Jahr in Folge diverse Firmen angeschrieben, von denen einige sehr gerne Kleidung kostenfrei zur Verfügung stellten, die dann für den guten Zweck verkauft werden durften. Aber auch private Kleiderspenden wurden angenommen. Alle guten Helferlein (inklusive der musikalischen Untermalung des Shoppingerlebnisses vom Mann am Klavier) waren ehrenamtlich tätig.  Und die intensiven Vorbereitungen des Projektes, die schon im Januar begannen, haben sich ausgezahlt …

Was ist der gute Zweck?

Der Erlös des Charity-Shopping-Events kommt Kindern in Assam zugute. In Guwahati, das in der Teeregion Assam liegt, werden Heime unterstützt, die von Patern der Salesianer Don Boscos geleitet werden. Kurz:

19 Kinder können ein ganzes Jahr beschult werden. Sie bekommen eine Unterkunft, Kleidung, Essen, ärztliche Versorgung und eine liebevolle Betreuung. „Alles drin.“, wie mir Sandra heute morgen stolz schrieb. Ein tolles Ergebnis.

Was war los in der Villa Clementine?

Begrüssung der an die 100 kaufwilligen Damen (ja … ich glaube die Zahl der anwesenden Männer lag unter 10 … der Pianist und auch der Fotograf eingerechnet)

 

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Unfassbares Gewimmel – egal welches Alter. Es war für jede was dabei. :)

 

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Nach dem Ansturm. Es ist noch einiges übrig geblieben, das nun seinen Weg über verschiedene Verkaufsportale finden wird. :)

 

Achtsamer Umgang ist nicht nur ein Thema, welches sich in Sachen Plastikmanagement oder aber dem ganzen Chemieschrott widerspiegelt, welchen wir tagtäglich durch unsere Abflüsse jagen.

Achtsamer Umgang schließt für mich inzwischen auch den Einkauf von Kleidung ein. Wenn wir ehrlich sind, leben wir auch hier oft im Überfluss. Die schockierende Zählung meiner Schuhe (da bin ich wohl ganz Frau) ergab … nach Aussortierung die stattliche Summe von ca. 50 Paar Schuhen. Meinen Kindern habe ich das Versprechen gegeben (Oh Mama …), in 2014 keine Schuhe mehr zu kaufen. Und 2015 kann ich wahrscheinlich auch dranhängen … urgs. Im Kleiderschrank selbst habe ich ja inzwischen glücklicherweise ziemlich reduziert.

Nunja – ich habe am Sonntag einige Teile eingekauft. Wohlwissend, welchem Zweck das Geld zugute kommt und auch etwas schon mal Getragenes war dabei.

Gerade im Hinblick auf die Tragödie in Bangladesh, die dazu aufruft, genauer hinzuschauen beim Kleiderkauf, sollte uns sensibel machen für das, was wir auf der Haut tragen …

 

und zu welchem Preis.