Das Leben ist wild!

Soulfood!

7 Kommentare

Warum behandeln wir nicht jedes Lebensmittel so,

als wäre es etwas besonderes für uns?

Unser persönliches Soulfood!

Ab und an schaue ich ganz gerne Jamie Oliver. Also … nach reiflicher Überlegung und immer wieder Ausprobieren muss ich sagen: ich kann das nicht in 15 oder 30 Minuten kochen, was er mir vorschlägt!!! DAS FUNKTIONIERT SO NICHT!!! Ich nicht. Nein. Nicht ich. Das Chaos – unbeschreiblich. Das Essen – sehr lecker. Die Zeit – nicht einzuhalten.

Das aber nur mal so am Rande. Mir geht es vielmehr darum, wie er mit seinen Lebensmitteln, die er zu wahrscheinlich wahren Gaumenfreuden zubereitet, umgeht. Gestern zum Beispiel habe ich per Zufall mal wieder in eine seiner Sendungen reingeschaut. Er war in den Pyrinäen unterwegs. In alten Dörfern, auf Märkten, bei der Jagd. Ich glaube, die Zubereitung der Linsensuppe war ein Schlüsselerlebnis für mich. Bei mir sieht sie selten so aus. Überhaupt sehen meine Mahlzeiten selten so aus wie in einem 4-Sterne-Restaurant.  Salat ist Salat. Bei ihm ist das ein kleines natürliches Meisterwerk und ich möchte am liebsten sofort durch die (nicht mehr vorhandene) Röhre kriechen auf die andere Seite des Bildschirms mitten hinein ins Geschehen.

Es ist die Liebe zum Kochen und die Wertschätzung der Lebensmittel, die mich sehr angerührt hat. Ja – angerührt. Einfachste Zutaten finden ihren Weg zusammen und werden … Soulfood. Ich meine … Linsensuppe. Pfff. Aber sowas von lecker aussehend.

Warum kann ich das nicht? In der Regel ist es so, dass ich dem Zubereiten einer Mahlzeit 30 Minuten zugestehe (Ausnahmen gibt es … klar Braten oder so). Einfach, robust, kindertauglich. Kein Bohai. Mit Sicherheit spielt da auch rein, dass ich nicht zu den Menschen gehöre, die aus einem Essen die einzelnen Gewürze herausschmecken können. Ich spiele in der Kreisliga, was den Umgang mit Gewürzen anbelangt. Außerdem salze ich nur ungern zuviel. Mir bereiten Gewürze Unbehagen. Lieber mal vorsichtig damit. Nur nicht zuviel reinkippen.

Versteht mich nicht falsch, ich bin eine gute Köchin. Es schmeckt. Aber mir fehlt etwas. :( Die Sendung gestern war sehr nachhaltig. Es gibt so erschreckend viele Kochsendungen und nie hatte ich das Gefühl, mir fehlt hier was. Meist geht es drunter und drüber bei diesen Küchenschlachten, Kochduellen, Geschmacksbattles. Es sieht aus wie auf dem Truppenübungsplatz. Ja, oder? Ich kann dem nichts abgewinnen.

Warum jetzt das? Ich will ehrlich sein. Ich will das auch. Der Weg zum Markt ist ein erster Schritt in diese Richtung. Lebensmittel einfach mal anders wahrnehmen. Eine Erdbeere ist nicht nur Erdbeere. Sie ist Clery oder Alba oder was weiss ich. Und ebenso all die anderen Köstlichkeiten.

Wenn wir diese Lebensmittel mal mit offeneren Augen betrachten würden, würde es uns wahrscheinlich leichter fallen, den Genuss in unsere Küchen einzulassen. Dann bräuchten wir gar nicht mehr all diese Koch-Schlonz-Sendungen (mit sicherlich tollen Köchen auf ihren Gebieten).

Ich glaub, ich mache mich mal auf die Suche nach einem Kochkurs. Ob Jamie einen gibt?

In Sachen Achtsamkeit. Lebensmittelwahrnehmung. Liebe zum Einfachen. Genuss. Ja. Das möchte ich. :)

 

 

Man kann sich übrigens die Sendungen im Land der Wahl hier ansehen: „Jamie in …“

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Autor: trix

Wissenwollerin. Storyteller. Und meist eine etwas ver-rückte Sicht auf die Dinge - vor allem die kleinen am Wegesrand. :)

7 Kommentare zu “Soulfood!

  1. Es können nicht so viele Köche wirklich gut kochen. Füt viele ist das auch nur ein Handwerk. Aber wenn man mal in einen Laden kommt, in dem jemand ein glückliches Händchen hat, dann ist es der Himmel auf Erden. Leider ist man hinterher meistens einen nicht unbedeutenden Teil seiner Barschaft los :-)

    • Das stimmt!!! Du bringst es auf den Punkt. :) Handwerk. Bei Jamie Oliver hab ich immer das Gefühl, da steckt noch mehr dahinter. Ich kann es nicht erklären. Aber es ist ein Unterschied, ob ich Lafer oder Oliver seh. :’D Bei den meisten ist kochen ein mechanischer Vorgang.
      Und ja – es ist toll, wenn man so eine Mahlzeit bekommt. Auch wenn man eigentlich Teller putzen müsste für die nächsten zwei Wochen, weil die Barschaft aufgebraucht ist. ;)

  2. Liebe Trix,

    Du schreibst immer so inspirierende Sachen! Und ich kann Dich gut verstehen – essen ist so wichtig und wir gestehen ihm (und dem Prozess) so wenig Zeit zu. Ich habe ein wunderbares Kochbuch, es heißt (AAAchtung, Tusch!) „Soulfood“ von Dr. Ilse-Maria Fahrnow und sie beschreibt ganz herrlich, wie sie dazu kam, dem Essen die Beachtung zu schenken, die es verdient. Und nebenbei sind da auch noch richtig leckere (und einfache) Rezepte drin – die Nudeln mit Fenchel sind unsere absolute Leibspeise geworden… Vielleicht ist das ja was für Dich?

  3. Ich habe vor einiger Zeit ebenfalls angefangen, Essen zu arrangieren – wie im Restaurant. :) Das macht schon einen großen Unterschied, denn das Auge isst mit. Wirklich aufwändig ist es auch nicht, wenn Besuch da ist – die ein bis zwei Minuten, die ich zum Anrichten brauche, dauert es dann halt mal länger, aber das ist ja nicht die Welt. Für mich lohnt es sich. :)

  4. Um deine Frage vom Anfang zu beantworten: weil wir uns von der Produktion entfernt haben und nicht mehr wissen, wie viel Arbeit das alles ist. Vieles wird halb industriell produziert. Da ist es dann ziemlich schwierig, ‚Material‘ zu bekommen, was als gute Ausgangsbasis schmeckt. Ich bin noch nicht mal vom Ökomarkt durchgehend begeistert. Ich habe einen Salat aus Demeter-Produktion gekauft, der war unnatürlich groß und er schmeckte nach nichts. Das und ein paar andere kleine Erlebnisse dieser Art fand ich sehr frustrierend.
    Es ist gar nicht so einfach, gut einzukaufen und erst recht nicht, gut zu kochen. Ich glaube, manche Köche haben so ihre Tricks drauf und sie machen natürlich den ganzen Tag nichts anderes. Ich habe mal gesehen, wie J. Oliver was geschnitten hat. Boh! So werde ich das nie können.
    Letztendlich finde ich auch, man sollte dem Ganzen vom Einkaufen übers Kochen bis zum Essen mehr Wertschätzung entgegen bringen. Nur haben die meisten Menschen dazu weder Zeit noch Lust …

  5. Hach, genau mein Thema.

    Seit ich wieder in der Welt von Fleisch, Fisch und gutem Fett unterwegs bin mache ich mir (wieder mal) mehr Gedanken über deren Herkunft. Habe einen kleinen Metzger im Nachbarort entdeckt, der noch Wert auf die Fleischqualität legt. Er bekommt seine Schweine von einem Hof aus dem Taunus. Diese Tiere laufen draussen herum und dürfen buddeln wie die Trüffelschweine. Und nur diese kommen dem Metzger in seinen Laden.

    Das Gespräch mit der Metzgersfrau hat bestimmt ne halbe Stunde gedauert und wir haben uns wirklich nett unterhalten. Es ist schön jemanden zu treffen, der sich darum Gedanken macht und sie umsetzt.

    Jamie mag ich sehr. Er kocht so ein bisschen „unedel“. Handfest und ohne Schnickschnack. Die Sterneköche legen Wert auf andere Dinge. Da müssen es Austern sein und Champagner oder andere vermeindliche edle Lebensmittel. Dabei ist das Ursprüngliche, ein wirklich gutes Lebensmittel nach alter „Bauart“ viel wertvoller und gesünder.

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