Das Leben ist wild!

Intermezzo!

6 Kommentare

„Cere – a – lien“ sagte der Mann plötzlich neben mir, während ich ratlos ins Supermarktregal schaue auf der Suche nach dem richtigen Produkt. Heute morgen habe ich dann doch mal das Projekt „Wochenendeinkauf“ in Angriff genommen. Ich sehe ihn erstaunt an. „Können Sie mir sagen, was Cere-a-lien sind. Oder heisst es Cerea-lion mit französischem Einschlag? Was ist das nur für ein Wort?“ Ich schaue ihn an, wende mich ihm zu und antworte: „Haferflocken! Naja – sie können auch Frühstücksflocken sagen. All so was.“ „Aber – wo kommt das denn her?“

Die Frage, auf die ich warte, kommt gar nicht (wo sie sich befinden!). „Wissen Sie“, sagt der ältere Herr zu mir, „ich denke mal, Sie kennen sich aus. Ich kann so viele Sprachen. Französisch ist das nicht. Italienisch … ach das könnte sein. Aber nein. Englisch auch nicht. Da wo diese Mauer mit dem vielen … Graffiti … ist, da steht drauf … (ich hab das so verstanden:) ochi … ti amor per sempre …“

Meine Augen werden groß, denn wir entfernen uns um Meilen von den Frühstücksflocken. Ein leichtes Lächeln huscht über mein Gesicht und der Mann erklärt mir freundlich („Das hat jetzt aber nichts mit uns beiden zu tun, nicht dass Sie das denken … nein, es stand nur an der Wand mit dem … Graffiti.“), was die wirklich große Sprayaktion an dieser erstaunlichen Wand heissen soll.

Ich weiss inzwischen auch, dass er Latein schon früh abgegeben hat. Woraufhin ich ihm erkläre, dass ich die Sprachen, die er gerade so liebevoll aufzeigt wirklich nur rudimentär beherrsche. Es geht um italienisch, französisch und … ja doch … latein. Und so jongliert er mit dem graffitigesprayten Text und schwenkt mal ins italienische – aber viel lieber ins französische („ich bin ein bißchen frankophil“). Wort für Wort in jeder Sprache. Eine Kaskade an Ausdrücken umweht mich. Und erklärt mir am Ende:

Ich liebe Sie für immer!

Peng. Zwischen den Regalen im Supermarkt. Jetzt hab ich aber völlig vergessen, was ich hier wollte. Sowas. Diese zauberhaften Worte in den fremden Sprachen …

Wir schauen uns an. Lächeln. Ein erheiternder Augenblick in der Hektik des Alltags. Der alte Charmeur ist sicherlich gut dreissig Jahre älter als ich. „Wissen Sie. Ich dachte, Sie kennen sich vielleicht mit den Cere-a-lien aus.“ „Welche genau suchen Sie denn überhaupt? Im übrigen glaube ich, K.ellogs hat dieses Wort erfunden, ein alles überschwemmender Marketingstreich. Wir reden von Haferflocken. Oder Getreidefrühstücksflocken und all sowas. “ (das ist schon ein kurioses Gespräch)

„Ach. Eigentlich ist das gar nicht so wichtig. Es war einfach schön, sich mit Ihnen zu unterhalten“ …

„Das war es!“ :)

Ich muss immer noch lächeln, als ich schon längst an der Kasse bin! :D

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Autor: trix

Wissenwollerin. Storyteller. Und meist eine etwas ver-rückte Sicht auf die Dinge - vor allem die kleinen am Wegesrand. :)

6 Kommentare zu “Intermezzo!

  1. Hach was ist das fein! Nun hast du auch mir ein Lächeln geschenkt. Danke dafür! :) <3

  2. WAS FÜR EINE RÜHRENDE GESCHICHTE !!!!
    Ich lächle auch und horche nach, schön und vielen Dank

  3. So geht flirten auf eine sehr geschickte Art. Der wollte dich anquatschen und nicht plump nach der Uhrzeit oder deiner Tel. Nr. fragen.

    Der alte Filou ist mir sehr sympathisch.
    Und die Geschichte zeigt, wie wichtig Cerealien mitunter sein können. Fürs Wohlbefinden.

  4. Wie süüüß! Flirten für reife Klugscheißer.
    Da hätte er doch wissen müssen, dass Cerealien das eingedeutschte Cereals ist. Aber er war ja nicht anglophil…

  5. Pingback: Unsere Netzhighlights – Woche 21/14 | Apfelmädchen & sadfsh

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