Das Leben ist wild!


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Kluge Worte #2

„Es ist gut Dinge zu sammeln,

aber es ist besser, spazierenzugehen!“

Ein Zitat von Anatole France.

Irgendwann einmal habe ich diesen Satz als kleinen Fetzen aus einer Zeitschrift gerupft. Er hängt seit Jahren an meinem Spind auf der Arbeit. Als Mahnung? Als Anregung? Als Impuls?

Ja!

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Ein Kommentar

Sammelsurium!

Sich sammeln!

Millionen Gedanken strömen tagtäglich auf uns ein. Manchen schenken wir bewusst mehr Aufmerksamkeit. Wir folgen ihrem Impuls und geben uns dem Strom der kleinen leitenden Worte, Metaphern, Bilder ganz hin. Andere wiederum blocken wir ab. Sie regen uns auf, bringen uns durcheinander, lenken uns ab. Wir schließen die Augen, atmen durch und … sammeln uns. Das geht besonders gut beim Spazierengehen. Wir lassen unsere Gedanken auslaufen. Weglaufen. Springen. Jagen. Doch dann …

Auf-Sammeln!

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Auf dem Nachhauseweg (vom Spazieren-Gehen) kommen mein Sohn und ich zwangläufig an einer Kastanienallee vorbei. Dieser Ort hat um diese Jahreszeit eine geradezu magische Anziehungskraft. Während mein Sohn sofort beginnt, den Boden mit den Augen abzusuchen, halte ich meine Tasche bereit. Überall um uns herum liegen glänzende, in sich perfekt wirkende Kastanien. Es geht nicht, ich kann nicht nur mit ihm laufen. :D Meine Augen sehen die zauberschönen Kastanien … und plötzlich muss auch ich mich bücken und beginne zu sammeln. Meine Gedanken kommen zur Ruhe.

An-Sammeln!

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Zuhause angekommen werden die Schätze entleert. Ach … und wo wir gleich dabei sind, die aus dem Schulranzen ebenfalls. ;) Sie sammeln sich gleich unserer Gedanken an den eigentümlichsten Stellen und bleiben manchmal sehr lange verborgen, bis wir ihre Wichtigkeit entdecken. Ich muss lächeln …

Ver-Sammeln!

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Da wären wir nun. Mit all unseren Schätzen. Glänzende Kastanien. Urlaubserinnernde Kiefernzapfen und kindgearbeite Birkenscheite. Was damit tun?

Sie versammeln.

Am besten auf dem Esstisch. :)

Ein Sammelsurium.


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Haustürbegegnung!

Manchmal frag ich mich wirklich, was der liebe Gott mit mir so vorhat.

Eben klingelt es an der Tür und ich mache die Tür auf. Das Essen steht halb fertig auf dem Herd – der Zeitpunkt ist also eh schon nicht der Beste. Da steht ein Kerl vor mir. Völlig abgerissen. Runtergekommen.  Unrasiert. Drei Zähnchen noch im Mund und nuschelt etwas von Tieren und Zirkus – soweit ich ihn verstehe. Ob ich Geld für ihn hätte …

Ich schau ihn lange an. Lange. Und sage dann, wie ich es üblicherweise immer an der Haustür mache, dass ich nichts an der Haustür gebe. Es ist etwas Grundsätzliches. Punkt. Nicht diskutierbar, seit ich vor Jahren gutmütigerweise einer Drückerkolonne zum Opfer gefallen bin. Egal ob Krankendienste, Zeitschriftenverkäufer, Apfelbauern, Zeugen Jehovas. Es ist mir wurschtegal. Ich mache es nicht.

Naja – ausgerechnet da kommt auch noch das Prachtexemplar von Besuchskater hinter mir her und schaut mit zur Tür raus. Da explodiert er: „Für jeden Scheiß habt ihr Geld. Die am Supermarkt kriegen was von Dir und ich muss wieder rumrennen wie ein Bekloppter. Ein Euro tut Dir doch nicht weh!“ Mit diesen Worten und wildfuchtelnd macht er sich total angekäst auf den Weg. Ich bleibe sprachlos stehen. Der Kater auch.

Kleidercheck: alte Stiefeletten hab ich an den Füssen. Die Flohmarkthose für 2,50. Longsleeve und Strickpullunder. Eine alte Strickjacke. Und irgendwie, weil es mich friert, hab ich noch die übergroße Beanie meines Mannes an. Allerdings eine Bench.

Wohnraumcheck: ruhige Einfamilienhauswohngegend. Einzelstehend. Garten. Gepflegter Vorgarten ist in dieser Tristesse etwas anderes. Kinderspielzeug. Stöcke. Steine. Kreide. Böller. Familienauto vor der Tür. Großes.

Dieser Mann sieht nur Äußerlichkeiten und maßt sich an, mich wie den letzte Dreck behandeln zu können. Als großkotziges Arschloch, das keinen Blick für die Armut der Welt übrig hat. Geht es eigentlich noch?

Er schaut nicht hinter die Kulissen, Diskriminierung gehört doch eigentlich in die prollige Mittelschicht. Wisst ihr, ich könnt da echt an die Decke gehen. Diese Anmaßung über andere Menschen zu urteilen. Ich weiss doch gar nicht, was das Leben des anderen ausmacht!!! Und ihm geht es doch genauso. Wann sehen wir denn mal hinter die Kulissen?

Ab und an steht einer bei uns in der Innenstadt. Becherchen aufgestellt. „Ich bin arm“. Einigermaßen wetterfest angezogen. Die Geschichte dazu: er hat keine Lust, sich fest in einen Job zu pressen. Doch ja, eine kleine Wohnung hat er. 10 Meter weiter parkt er seine Vespa.

Im Supermarkt spricht mich ein stadtbekannter Sandler an. Ob ich ihm Geld für Filtertüten geben könnte. Die guten von Melitta. Ich nehme die Hausmarke und sage ihm, dass ich sie mit an die Kasse nehme, bezahle und ihm dahinter gerne gebe. Nein – das will er nicht, pampt er mich an.

In der Landeshauptstadt sitzen in der der elitären Einkaufsmeile zwei Punks mit ihrem Hund. Sie albern herum und legen einen Behälter vor sich. Ich schmeisse etwas Kleingeld rein und wir wünschen uns lachend einen guten Morgen.

Es mag vielleicht seltsam klingen, aber wenn es etwas gibt, was ich mir erwarte, ist der Respekt vor meiner eigenen Entscheidung. Ich hasse es, wenn mir etwas aufgezwungen wird, von dem ich denke, ich kann es selbst entscheiden.

Nein. Ein Euro tut mir nicht weh. Ich muss in anderen Dimensionen sparen. Ich habe auch vollkommen andere Probleme als dieser Mensch eben. Aber das weiß er nicht. Er kann nur eine Einschätzung abgeben von dem, was er sieht. Ich könnte kotzen wegen soviel Borniertheit. Er weiss weder, wo noch wieviel ich spende. Weiß nichts von evtl. Ehrenämtern. Hilfsbereitschaft und Mitmenschenpflege.

Alles, was er sieht, ist eine Frau in einem Einfamilienhaus. Und ein gepflegter Kater, der zur Tür rausschaut …